Sonntag, 20. Dezember 2015

Ein Abschied fällt schwer.

"Its time to say Goodbye..."

...diesen Song kann ich mir gut als Hintergrundmusik an meinem letzten Tag in Halifax vorstellen. Ich weiß - sehr dramatisch - aber irgendwie war es das auch. Am Freitag war ich endlich fertig mit meinen Klausuren. Ok, mit meiner einzigen Klausur. Aber das wichtigste: Ich bin mit der Uni bis zum Sommersemester 2016 erst einmal durch. Das Ende meines Unialltags bedeutet aber auch gleichzeitg meinen Abschied aus Halifax (nicht nur, weil das Wohnheim verlangt, dass man innerhalb von 24 Stunden nach dem letzten Examen auszieht). Zur Feier des Tages sind wir an diesem Abend noch einmal feiern gegangen. Leider konnten uns nicht alle begleiten, da viele noch mitten in ihren Klausurphasen waren. Am nächsten Morgen wache ich auf und mein erster Gedanke:" Das war meine letzte Nacht in diesem Bett". Um das richtig aus zu kosten bleibe ich bis kurz vor 11 im Bett und dann geht es schon Richtung DinningHall, um noch ein letztes Mal mit meiner Dockside-Familie zu brunchen. An diesem Morgen kommen auch viele der deutschen Mädels und die Franzosen, die Off-Campus wohnen. Wir essen ewig, lachen und erinnern uns an unsere gemeinsame Zeit. Eine Fotosession darf natürlich nicht fehlen. Erst vor kurzem haben wir erfahren, dass wir als Gruppe schon einen Namen erhalten haben - "Docksidesquad". Irgendwie kommt das der intensiven Beziehung, die wir untereinander aber auch zu unser Mensa entwickelt haben echt nahe. Schließlich habe ich (fast) jeden Tag in den vergangenen vier Monaten dreimal mit diesen Menschen gegessen, geredet und gelacht. In der Dockside verabschiede ich bereits die Ersten und schon hier fließen Tränchen. Man weiß ja schließlich nie, wann man sich doch noch einmal wiedersieht. Am Nachmittag räume ich mein geliebtes Zimmer leer (D2-2-4a). Am Anfang noch skeptisch, ob ich mich hier wirklich wohlfühlen kann, ist es doch mein zu Hause geworden. Und wir auch immer mein zu Hause in Halifax sein. Nachdem mein Zimmer leer ist, bringe ich all meine 7 Sachen in Midschis Zimmer im 22. Stock. Sie schreibt noch an diesem Samstag von 7-10 Uhr abends Klausur und hat daher noch das Recht in ihrem Zimmer zu wohnen. All meine Sachen, die ich für das Zimmer angeschafft habe (Bettdecke, Kissen, Bettbezüge usw.) gebe ich an Rihno aus meinem Flur weiter. Sie hat noch keine dicke Decke und kann diese sehr gut gebrauchen. Zum Abschied überreicht sie mir die süßeste Karte, die ich je in meinem Leben bekommen habe. Als ich sie alleine ich meinem Zimmer lese, fließt wieder einmal die ein oder andere Träne. Nach meinem letzten Abendessen geht das ganze nochmal weiter. Ich verabschiede mich von Lucille und Zikomo. Lucille kommt aus Paris und ich weiß, dass wir uns wiedersehen können, aber dennoch wird es dann nicht mehr so sein wie es hier war. Wie sehr werde ich ihre französische Art und Weise vermissen. Ihr "Oh la la, Nicole". Und auch Zikomo mit seiner unendlichen Gelassenheit, die hier nur jemand von den Bahamas haben kann. Aber auch diese Verabschiedungen vergehen. Und dann natürlich noch der Abschied von meinen Flurmädels und meiner RA. Sie haben mir auch eine sehr süße Karte gebastelt und drücken mich noch einmal zu Abschied. Ich muss zugeben, dass ich im "Flurleben" nicht allzu aktiv war, da alle Mädels gerade mal 18 waren und ich mich doch das eine oder andere Mal zu alt gefühlt habe. Dennoch waren alle vertraute Gesichter, die mich in den letzten 4 Monaten begleitet haben. Als dann auch dieser Part beendet ist, wird der Abend noch einmal richtig schön. Nachdem Midschis Klausur um 22 Uhr endlich geschafft ist, gehen wir noch auf eine Geburtstagsparty von einer Deutschen. Der gesamte Rest der liebgewonnenen Menschen ist dort. Gute Musik, Beerpong, selbstgemachter Glühwein und Kekse machen meine letzten Stunden in Halifax nocheinmal zu dem perfekten Abschluss. Als wir um 3.30 Uhr morgens dann die Party verlassen müssen, um noch fertig zu packen, fließen noch einmal viele Tränen. Ich verabschiede mich von allen und bin einfach nur dankbar für die gemeinsame Zeit, die wir haben durften. Wir laufen zurück zur Residence und Midschi fängt an ihren Koffer zu packen. Da sie in den letzten Tagen jeden Abend eine Klausur hatte und wir heute direkt danach zur Party sind, haben wir die Aufgabe ihr Zimmer bis 5.30 Uhr morgens leer zu räumen. Um 5.40 Uhr steht unser Taxi vor der Tür. Irgendwie schaffen wir tatsächlich wach zu bleiben und räumen das Zimmer rechtzeitig leer. Als wir irgendwie die drei großen Koffer, zwei Handgepäckskoffer und zwei Rucksäcke mit dem Fahrstuhl aus dem 22. Stock nach unten geschafft haben, kommt der Schock: die doofen Leute von der Schlüsselabgabe sind  nirgends zu finden. Immer (!!) wenn man nachts hier vorbei kam, saßen sie an ihrem Desk und haben Däumchen gedreht. Ist natürlich klar, dass sie heute tatsächlich etwas zu tun haben. In letzter Minute kommt dann doch noch jemand angeschlendert und wir können unsere 1000 Koffer pünktlich im Taxi verstauen. Mit dem Taxi geht es zu einem Busterminal und mit dem Airportbus weiter zu Flughafen. Dort geben wir unsere großen Koffer in ein Lager und gehen mit unseren Carry-On's durch die Sicherheitskontrolle. Unser Flugzeug ist nicht einmal halbvoll und ich merke nicht einmal mehr wie wir starten. Kaum bin ich angeschnallt, fällt mein Kopf gegen die Scheibe und ich verschlafe fast den kompletten Flug. So ein ganzer Tag ohne Schlaf ist schon nicht ohne. Wenn ich das nächste Mal die Augen aufmache, wird meine Zeit in Halifax hinter mir liegen und Ottawa mich begrüßen.

Danke Halifax für diese unvergessliche Zeit. 













Donnerstag, 10. Dezember 2015

Einmal die Zeit zurück drehen - Bitte!


4 Tage. 96 Stunden. 5760 Minuten. Eine Klausur. Solange habe ich noch Zeit bis ich mich von Halifax verabschieden muss. Hört sich dramatisch an und in manchen Momenten fühlt es sich auch genau so an - dramatisch. Da mein Abschied zu kurz bevor steht, möchte ich diesen Post nutzen, um auf meine vergangenen 4 Monate hier in Halifax zurück zu blicken und vielleicht auch ein kleines Fazit zu ziehen. Dabei versuche ich auch so gut wie möglich noch zu berichten was alles nach meinem Bostonausflug passiert ist. Ich gebe mein Bestes, versprochen!

After Boston - back to school...

Dass nach die Zeit nach Boston auf jeden Fall mit Arbeit verbunden war mir bewusst. Die volle Realität traf mich aber dann am Montagmorgen nach unserem Ausflug. Zwei Essays und eine Präsentation fällig noch in dieser Woche. Das heißt nun einmal mehr: Nase in die Bücher stecken und versuchen das Beste noch heraus zu holen. Irgendwie gelingt es mir sogar alles fristgerecht ab zu geben und auch meine Präsentation läuft gut. Aber danach ist leider kaum an ausruhen zu denken, denn bis zum 1. Dezember sind meine beiden finalen Essays fällig, ein Quiz steht an und ein "Take-Home-Exam". Zwischenzeitlich habe ich das Gefühl, dass ich am besten jeden Morgen im Bett bleibe. Vielleicht geht es ja vorbei. Der Gedanke, dass ich dafür nur ein Examen haben werde, hilft etwas. Nur scheinen alle außer mir genau jetzt unglaublich viel Zeit zu haben und dafür dann in den letzten Tagen umso mehr lernen zu müssen. Irgendwie stehe ich aber auch diese Essays durch und ich muss zugeben, dass ich nicht völlig überzeugt von meinen Werken bin .. aber mal sehen was dabei noch so rum kommt. Ich möchte eigentlich auch nicht zu viel Zeit mit Klagen verbringen und lieber auch ein wenig davon berichten was sonst noch so in meinen Leben los war - ja denn es gab auch noch ein Leben neben dem Lernen (und das sollte man sich auch auf jeden Fall immer zu gestehen). 
 

Halloween...

Ein kleiner Nachtrag. Halloween war vor Boston, aber so ganz unkommentiert möchte ich das Nichtlassen. An Halloween war eine dieser großartigen Lernpausen.  Tagsüber konnte ich aus meinem Zimmerfenster schon viele verkleidete Kinder von Haustür zu Haustür ziehen sehen. Die Kanadier lieben Halloween - schon Wochen vorher findet man Spinnennetze und Plastikgrabsteine in Vorgärten. Sogar die Angestellten der Mensa haben sich zur Feier des Tages verkleidet. Irgendwie seltsam das Essen von einem blutigen Kochen serviert zu bekommen. Am Abend waren wir zu einer Hausparty bei einem Freund geladen und tatsächlich sind alle verkleidet erschienen. Das kennt man ja von zu Hause oft anders. Man muss dazu sagen, dass Halloween nicht ausschließlich 'gruselig' bedeutet. Jede Verkleidung geht und die kanadischen Mädels bevorzugen dann sehr gerne die 'sexy' Variante. Der ein oder andere lässt dann doch das Kostüm sein. Im Anschluss an das "Vortrinken" hatten wir Tickets zu einer größeren Party - der Halifax Freakshow. Ca. 2000 Leute in einer großen Halle, schlechte Musik und zu teure Drinks ... aber wir hatten trotzdem Spaß. Zwar sind mir einige Details des Abends entfallen, aber es war eine lange Nacht. Besonders schön war, dass es nicht nur Deutsche waren, sondern auch viele andere mit unterwegs waren. Aber da Bilder oftmals mehr sagen als Worte....


Eishockey...

...konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen hier in meiner Zeit in Kanada. Ich habe mir gemeinsam mit 7 anderen Mädels ein Spiel der Halifax Mooseheads angesehen und muss sagen, dass ich mehr als begeistert war. Das Spiel ist nicht nur unglaublich schnell, sondern auch durchaus aggressiv. Dass sich zwei Spieler an den Kragen gehen und sich mehr als einmal in die Bande stoßen, passiert nicht zu selten. Mit einem Hotdog und ein Bier lässt sich das ganze natürlich noch besser genießen. Wir sind überrascht (und glücklich), dass wir wenigstens beim Sport entspannt unser Bier trinken können. Manchmal ist das ganze ja nicht so einfach in Kanada. 



Winter is coming ...Von wegen! 

Beim Packen meines Koffers vor meiner Reise wäre ich fast verzweifelt. Habe ich genug dicke Pullis? Habe ich genug Mützen und Schals? Werden meine Schuhe für den Schnee ausreichen? All der Stress umsonst. Anstatt der erwarteten Schneemassen begrüßt mich morgens entweder Regen oder Sonnenschein. Nur an einem einzigen Morgen war so etwas wie Frost auf den Dächern der Häuser. Aber ansonsten: Nichts! Nichts! Ich dachte ich würde hier in Schnee versinken. Tja, hätte ich mich vorher doch einfach einmal besser über das Klima in Halifax informiert. Vor Januar werden hier kaum Schneemassen erwartet, aber dann geht es richtig los. Teilweise erzählten mir Kanadier, dass sie im vergangenen Winter über 5 Tage die Residence nicht verlassen konnten, da kein Durchkommen durch den Schnee möglich war. Aber sie hatten früh genug eine Warnung erhalten und konnten 'Hamstereinkäufe' machen. Irgendwie bin ich ja froh, dass ich davon verschont werde. Auf der anderen Seite bin ich auch ein wenig traurig - ich wollte unbedingt richtigen Schnee. Und dann bekommt Deutschland auch noch Schnee. Gemein. Aber dafür gab es hier die Möglichkeit noch einmal den wunderschönen Park neben der Uni zu genießen. In den Lernpausen gab es den ein oder anderen Sonnenspaziergang. Kalt ist es nur ab und zu. Das kälteste bisher war -5 Grad, aber es soll kälter werden nachdem wir abgereist sind. Das ist schon ok so. 







Jingle Bells, Jingle Bells, Jingle Bells ... 

..es weihnachtet in Halifax. Trotz Unistress sind fast alle schon voller Vorfreude. Auch wenn ich in diesem Jahr leider keinen Adventskalender habe, läuft die Weihnachtsplaylist schon vor dem 1.Dezmeber hoch und runter. Zum Glück bin ich mit meiner Vorfreude nicht allein und so versuchen wir uns so gut wie mögliche den Weihnachtszauber von zu Hause nach Halifax zu bringen. Leider ist das gar nicht so einfach wie gedacht. Von unseren wunderbaren Plätzchen kann man mehr oder weniger nur träumen, weil es einfach nicht die richtigen Zutaten gibt. Trotzdem backen wir und sie schmecken, naja sagen wir sehr gut für Halifaxverhältnisse. Außerdem reden wir unglaublich viel über Weihnachten. Die anderen Internationals erzählen wir wie sie in ihrer Heimat Weihnachten feiern - oder eben auch nicht feiern. Ich versuche zu erklären, was an unserer Vorweihnachtszeit (zum Beispiel die Adventssonntage) besonders ist und sehne mich immer mehr nach einem Glühwein, gebrannten Mandeln und einer Bratwurst. Tatsächlich gibt es einen Weihnachtsmarkt in Halifax. Aber nur für einen Abend, mit ca. 10 Ständen .. aber mit Glühwein! Ihr glaubt gar nicht wie gut ein mittelmäßiger Glühwein schmecken kann. An diesem Abend wird auch der offizielle Weihnachtsbaum in Halifax das erste Mal erleuchtet. Viele Leute kommen. Ich bin leider zu spät, aber mein Foto habe ich dann doch noch bekommen. Bereits Ende Novemeber fand eine Christmas Parade statt. Unzählige Mottowägen, die durch die Stadt fahren und ganz am Ende Santa Claus. Während der Parade regnet es leider, aber das macht den wetterfesten Kanadiern nichts aus. Selbst die ganz Kleinen harren auf dem Bürgersteig aus bis Santa schließlich vorbei fährt und HOHOHO ruft. Tatsächlich fühlt es sich schon sehr seltsam an, wenn dir unzählige Menschen im November "Merry Christmas" zu rufen. Aber das kann meine Vorfreude ja nur steigern. Zum Glück lässt sich auch jeder Anlass zum Feiern nutzen und so veranstalten wir eine Christmasparty. Natürlich micht passender Verkleidung. Ich verkleide mich als Geschenk. Unteranderem sind auf der Party Rentiere, Engel, die heiligen drei Könige, ein Tannenbaum und viel mehr zu finden. 
Ich freue mich schon so darauf am 22. Dezember direkt vom Flughafen zum Weihnachtsmarkt zu fahren und alles nach zu holen, was ich verpasst habe. Und noch mehr freue ich mich auf das gemeinsame Weihnachtsfest mit meiner Familie. Wir sind inzwischen ein Wasmuth mehr und da steht noch ein Kennenlernen aus. Noch 15 Tage bis Weihnachten! 











Time to say GOODBYE... 

...und da ist er. Der Teil dieses Posts, der mir unglaublich schwer fällt. Nur noch 4 Tage. Das sind nur noch 4 Tage bevor meine Reise gemeinsam mit Midschi nach Ottawa, Montreal und Quebec beginnt. Aber es sind auch meine letzten 4 Tage hier in Halifax. Die ersten Verabschiedungen habe ich schon hinter mir. Und bei jedem Treffen mit den anderen frage ich mich: Ist das wirklich das letzte Mal, dass wir uns sehen werden? So sehr ich mich auch auf zu Hause freue, dieser Abschied wird kein leichter. Ich habe die Leute, die ich hier kennen lernen durfte, wirklich in mein Herz geschlossen. Wenn ich an die vielen Tage denke, an denen wir einfach sinnlos gemeinsam in unser Mensa saßen und einfach geredet haben, dann werde ich traurig. Wir werden nie mehr so zusammen kommen. Bei  manchen (vorallem vielen Deutschen) weiß ich, dass wir uns wieder sehen können und werden. Bei anderen weiß ich aber auch, dass sie wohl nicht nach Deutschland kommen werden und ich auch nicht noch einmal nach Halifax zurück kehre. Aber man sagt ja, dass man sich immer zwei Mal im Leben sieht - darauf hoffe ich! Alle, die ich kennen lernen durfte, haben mein Auslandssemster zu dieser einmaligen Erfahrung gemacht. An manchen Tagen hat es sich schon angefühlt, wie eine kleine Familie. Im Dezember ist unser 'Küken' 18 geworden und wir waren alle gemeinsam Essen. Sie war völlig überwältigt von unserem Geschenk und zum ersten Mal ist den meisten unter uns bewusst geworden, dass diese Zeit bald vorbei sein wird. Ich bin nicht die Einzige, die so sehr mit dem Abschied kämpft. In den letzten Tagen fallen immer wieder die Sätzen .."wenn ihr weg seid, wird es hier so leer sein". Tatsächlich haben wir erst heute erfahren, dass wir schon einen Namen unter den anderen Studenten bekommen haben. Unsere Gruppe wurde "Docksidesquat" getauft, weil man uns immer zusammen, stundenlang in der Mensa sitzen sieht und wir meistens der Tisch mit dem meisten Gelächter sind. Ich hoffe sehr, dass ich sich viele Wege noch einmal treffen werden. Bevor ich jetzt aber zu emotional bin, belasse ich es dabei. In den nächsten vier Tagen muss noch eine Klausur geschrieben werden, das 'Koffer-Chaos' überwunden werden und meine Abreise vorbereitet werden. Achja, und der große, finale Abschied am Samstag. Aber egal wie der Abschied aussehen mag, ich bin unendlich dankbar, dass diese Menschen in mein Leben getreten sind und ich diese wundervollen Monate gemeinsam mit Ihnen erleben durfte. 


Dienstag, 8. Dezember 2015

Fall Break: Boston

Und wieder mal beginne ich diesen Eintrag mit einem schlechten Gewissen. Ich muss zugeben, dass ich zu mehr als einem Reisetagebuch wohl nicht im Stande wäre. So ein Blog verlangt ganz schön viel Aufmerksamkeit - Aufmerksamkeit, die ich nicht übrig zu haben scheine. Daher an alle, die regelmäßig hier vorbei schauen und enttäuscht werden, weil es nichts "Neues" gibt: Ich entschuldige mich aufrichtig für meine Bequemlichkeit! Ich könnte mehr schreiben, aber auf der anderen Seite möchte ich die (wenige) Zeit, die mir noch bleibt, voll und ganz nutzen. Denn ja es ist wahr.. in weniger als einem Monat werde ich schon wieder in Deutschland sein. Ich weiß gar nicht, ob ich lachen oder weinen soll. In den letzten Tagen hatte ich oft das Gefühl, dass es mir zu schnell geht. Die Zeit rennt. So viele Dinge, die ich noch machen wollte. So viele Events, die wir mit unserer "Gruppe" vor hatten. Und dann soll es in drei Wochen schon vorbei sein? Und dann werde ich manche von diesen wunderbaren Leuten vielleicht nie wieder sehen? Man nimmt sich natürlich vor, dass man sich noch einmal trifft. Wieder hier in Kanada, in Europa oder sonst wo auf der Welt. Aber sind wir ehrlich mit uns selbst, dann wissen wir: Mit jeder Minute in der uns der Alltag zu Hause wieder hat, entfernen wir uns von diesem Versprechen. Das habe ich nach meiner Australienreise erleben müssen. Aber ich nehme es mir trotzdem vor alle wieder zu sehen. Vielleicht klappt es ja doch. So viel zu den Gedanken, die mich hier in der Vorweihnachtszeit beschäftigen. Eigentlich soll es hier in diesem Post nämlich um etwas ganz anderes gehen. Meinen kleinen Ausflug in die USA und zwar nach: 

Boston. 

Vom 10. November bis zum 14. November habe ich das kleine und beschauliche Halifax hinter mir gelassen, um eine paar spannende Tage in Boston zu verbringen. Da wir in diesen Tage eine kleine Herbstpause von der Uni hatten, war natürlich klar, dass wir etwas unternehmen mussten. Gemeinsam mit Midschi und Svenja (Deutsch), Jenna(Kanada) und Dereka (Bahamas) habe ich mich Dienstagabend gegen 10 Uhr abends in unseren Mietwagen gekuschelt. Leider stellte sich heraus, dass unser Mietauto zwar genügend PS unter der Haube hatte, es aber mit fünf Leuten im Wagen recht gemütlich wurde. Aber egal - vor uns lagen über 10 Stunden Fahrt durch die Nacht. Und da ich Held meinen Führerschein in Deutschland liegen lassen habe, waren es anstatt der erwarteten vier Fahrer leider nur 3, die sich unterwegs abwechseln konnten. Das war tatsächlich einer dieser Momente, in denen ich meine Mama hören sagen haben:"Nicole, ich frage mich tatsächlich wie du so ein gutes Abitur haben kannst. Du bist so unorganisiert und chaotisch." Ganz ehrlich Mama, ich frag mich das auch oft genug. Naja, da ich nun nicht fahren konnte, war für mich klar, dass ich als Beifahrer alle Fahrer wach halten würde. (Dass man vorne natürlich auch mehr Platz und einen bequemeren Sitz hat, sei nur am Rande erwähnt). Mit gefühlten 5 Liter Kaffee intus verlassen wir also Halifax und unsere Fahrt Richtung dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten startet. Am Anfang ist die Vorfreudestimmung zu spüren. Lautes Singen, lachen usw. Aber nach den ersten 3 von 10 Stunden wird die Rückbank immer ruhiger und auch ich merke, dass es eine anstrengende Nacht wird. Der für mich schlimmste Teil ist gegen 3 Uhr morgens wach zu bleiben. Am liebsten würde ich meinen Kopf mal aus dem Fenster in den kalten Fahrtwind halten ... aber dann mache ich ja die anderen wach. Bis zur amerikanischen Grenze muss ich noch durch halten. Danach kann ich schlafen. An der Grenze angekommen, werden wir natürlich erstmal unter die Lupe genommen. Gefühlte 1000 Fragen, wie aus der Pistole geschossen, müssen wir beantworten. Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin? Wie lange bleibt ihr dort? Wo wohnt ihr? Habt ihr etwas verbotenes dabei? ... Mein Gehirn um diese Uhrzeit noch richtig anzuwerfen scheint fast unmöglich - und wenn ich in die zerknitterten Gesichter meiner Mitfahrer schaue dann geht es Ihnen kaum anders. Doch irgendwann (nachdem unser Kofferraum überprüft wurde und wir einmal aus dem Auto aussteigen durften) sind wir durch die Grenzkontrolle und fahren tatsächlich auf amerikanischem Boden. Gut, dass von uns keiner eine Ahnung hat wie sich km/h zu miles verhält. Einfach mal darauf los fahren und hoffen nicht geblitzt zu werden, ist unsere Devise. Und ich darf endlich schlafen ... mehr oder weniger. In der Mitte der Rückbank lässt es sich nicht gerade wie in einem Luxusbett schlafen. Steifer Nacken und verkrampfte Beine begrüßen mich als ich in der Morgendämmerung nach circa 3 Stunden 'dösen' aufwache. Aber es ist nicht mehr weit bis zu unserem ersten Ziel. Ein Outlet auf dem Weg nach Boston. Adidas, Nike, Gap etc.. Alles was das Herz begehrt. Das hört sich doch super an. Nach einer langer Fahrt durch die Nacht erst einmal eine ausgedehnte Shoppingtour. Ich weiß auch nicht, wie wir auf die Idee kamen, dass das sinnvoll sein könnte. Egal. Viele Stunden später, um viel Geld ärmer und um viele Einkaufstüten reicher, frage ich mich wie ich diesen ersten Tagesabschnitt überhaupt überleben konnte. Ich vermute es war der Kaffee und vielleicht das ungesunde Mittagessen bei Mc Donalds. Während ich in Halifax wirklich viel Sport mache, habe ich mir für diese Reise vorgenommen darauf zu verzichten: Cheat Week! :) 
Nach unserem erfolgreichen Zwischenstop fahren wir weiter nach Boston. Ich sehe genau gar nichts von der Strecke, weil ich bis nach Boston komplett durchschlafe. Jenna, die bei Freunden in Boston wohnen wird, setzen wir ab und wir anderen 4 machen uns auf die Suche nach unserem Hostel, das direkt in der Innenstadt liegt. Nachdem wir ein Parkhaus gleich um die Ecke finden, heißt es nur noch einchecken, ein suuuuper leckeres Abendessen essen, ein Feierabendbierchen und ab ins Bett. Morgen soll es schließlich früh los gehen - wir wollen die Stadt erkunden. 

Unser Auto
An unserem ersten Tag in Boston wollen wir so viel wie möglich sehen. Nach ein besser als erwartetem Frühstück im Hostel brechen wir auf, um den Freedom Trail ab zu laufen. Der Trail ist ein geführter Weg durch die wichtigsten Touristenorte Boston's. Und er ist kostenlos! Eine Linie aus Kopfsteinpflaster verläuft durch ganz Boston und folgt man dieser führt sie zu den wichtigsten Orten. Wir machen uns auf den Weg und 3/4 des Weges spielt das Wetter mit. Wir sind den ganzen Tag unterwegs und sehen unglaublich viel. Ich bin absolut begeistert von Boston! Nicht nur das Stadtbild hat etwas besonderes, aber die Stadt ist unglaublich reich an Geschichte. Der Ort der Boston Tea Party von 1773, die Verhandlungen der Declaration of Independence .... das alles war hier in Boston. Darüber hinaus hat Boston eine ganz besondere Beziehung zu Halifax. Als in 1917 in Halifax eine Explosion mehr als 1900 das Leben kostete und die halbe Stadt in Schutt und Asche legte, war die Stadt Boston einer der wichtigsten Helfer, um Halifax wieder auf zu bauen. Noch heute schenkt Halifax jedes Jahr einen Weihnachtsbaum an Boston, um diese besondere Städtefreundschaft zu feiern. Hört sich hier ja fast schon nach Geschichtsunterricht an, aber ich habe so viel in Boston gelernt, dass ich gar nicht anders kann. Wir haben uns für 3$ eine kleine Broschüre gekauft, die uns an jedem Standort ein paar Informationen gibt. Midschi unser Tourguide verkündigt die Info's jedes Mal absolut seriös. Nach so viel Input gönnen wir uns eine wunderbare Mittagspause im Quincy Market. Hier gibt es so unglaublich viel Auswahl an Essen, dass wir ewig brauchen, um etwas auszuwählen. Für gibt es ein indisches Curry und für die anderen die traditionelle Fisch/Muschelsuppe aus Boston: Clam Chowder. Zu doof, dass ich keinen Fisch esse. Danach gehen wir in einen Christmasshop. So etwas habe ich noch nie im Leben gesehen. Ein Laden, der nur Weihnachtsdekoration verkauft. Der Laden platzt aus allen Nähten mit Weihnachtsbaumschmuck. Man kann sich wirklich alles an den Baum hängen (egal wie hässlich). Als wir am Nachmittag den letzten Abschnitt des Weges laufen, fängt es leider an zu nieseln.. aber wir ziehen den Trail bis zum Ende durch. Mit einer kleinen Fähre geht es zurück zur anderen Seite der Stadt und zurück ins Hostel. Eigentlich wollten wir heute Abend feiern gehen, aber da wir fix und fertig sind, wird es dann noch nur das ein oder andere Bier in einer Bar. 

The Freedom Trail










Christmasshop




 

Clam Chowder


Nach unser zweiten Nacht im Hostel heißt es schon auschecken. Wir werden zwar noch den gesamten Tag in Boston haben, aber gegen Abend schon nach Portland fahren und dort übernachten. An unserem zweiten Tag in Boston wollen wir uns die legendäre Havard University anschauen. Jeder kennt sie, jeder hat schon einmal von ihr gehört, und es wird gesagt, dass ein Abschluss von dieser Universität einen Spitzenjob garantiert. Und um ehrlich zu sein: wir sind sehr beeindruckt. Nach dem Frühstück machen wir uns auf mit der U-Bahn, um zum Hauptcampus der Uni zu fahren. Heute spielt das Wetter mit. Die Sonne scheint und wir freuen uns auf eine kostenlose Führung an der Havard. Die Führung wird von einer Studentin angeboten. Warum auch immer, aber wir waren davon überzeugt Studenten im Anzug zu sehen, oder zumindest zu sehen, dass hier die "reichen" Studenten unterwegs sind. Was wir sehen ist ein wunderschöner Campus mit Studenten im Unipulli und Jogginghose - wie ich und du. Trotzallem herrscht eine besondere Atmosphäre. Unsere Führung dauert ca. 1 Stunde und wir erfahren, dass ein Jahr an der Havard gerade mal 54,000 US$ kostet. Ist ja fast ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass ein Lehrer für egal welche Sprache immer eingeflogen werden kann, wenn man es möchte. Man muss jedoch dazu sagen, dass über 50% der Studenten in irgendeiner Form finanziell unterstüzt werden. Als ich frage, ob Studenten bevorzugt werden, deren Eltern Geld haben bzw. selbst hier studiert haben, bekomme ich ein Lächeln und die Antwort, dass es natürlich nicht von Nachteil wäre. Unser Tourguide zerstört leider auch eine unserer Illusionen. Immer wenn wir einen Film gesehen haben, in dem behauptet wird es wäre der Havard Campus...es war nie der Havard Campus. Seit den 1970ern hat Havard Filmaufnahmen auf dem Campus verboten. Während der Führung fängt man an zu träumen. Lässt man die Unmöglichkeit allein schon wegen des Geldes mal beiseite: wie genial muss es sein hier studieren zu können? Mit all den Möglichkeiten, den Verbindungen, dem Netzwerk. Man darf ja mal träumen. Den Rückweg laufen wir komplett zurück zur Stadt und werden leider von einem Regenschauer überrascht. Aber direkt darauf sehen wir einen wunderschönen Regenbogen über Boston. Am MIT (Massachusetts Institute of Technology) laufen wir auch noch vorbei. Man hat manchmal das Gefühl hier in Boston mit Bildung überschüttet zu werden. Nachdem wir uns noch einmal einen richtigen Burger schmecken lassen (muss ja irgendwie sein in den USA), holen wir Jenna ab. Sie hat sich gemeinsam mit einer Freundin ein Basketballspiel angeschaut. Gegen 22 Uhr brechen wir dann Richtung Portland auf. Bye bye Boston - es war wirklich schön! 















Portland.
Gegen 1 Uhr morgens kommen wir in Portland an. Ich habe mal wieder nich all zu viel von unserer Fahrt mitbekommen. Irgendwie schlafe ich immer sofort ein, wenn sich das Auto in Bewegung setzt. Nachdem wir erstmal unser Hotel verzweifelt suchen, können wir endlich einchecken. Das Hotel war ein Angebot und sieht super aus. Für 5 Personen zahlen wir 150€ die Nacht und haben am Morgen ein ausgezeichntes Frühstück (mit Waffeln und Bacon) inklusive. Als wir endlich in unser Zimmer kommen, wollen wir nur noch schlafen. Aber leider ist das nicht sofort möglich. Unsere Nachbarn, bzw. die Menschen im Zimmer über uns, sind außer Rand und Band. Keine Ahnung was die dort treiben. Es hört sich nach Streit an, nach Gewalt, nach Party, nach Kampf .. nach allem. Zwischendurch machen wir Witze, dass sie wohl das Lavaspiel spielen (der Boden ist Lava und darf nicht berührt werden). Irgendwann ist von unser Belustigung nicht mehr viel übrig .. gegen 2 Uhr Morgens ist man dann doch eher müde. Ich rufe an der Rezeption an und beschwere mich. Habe ich übrigens auch noch nie in meinem Leben gemacht. Uns wird gesagt, dass jemand unsere Nachbarn freundlich um Ruhe bitten wird. Nach ca. 20 Minuten hört das "Knallen" auf. Es klopft an unserer Tür und die Dame von der Rezeption entschuldigt sich für die Störung. Als ich frage, was diese Leute veranstaltet haben, lächelt sie nur und sagt, dass sie etwas zu zügellos gespielt hätten. Naja daran hatten wir bei den Geräuschen wirklich nicht gedacht. Aber wir können endlich schlafen. Zumg Glück. Am nächsten Morgen lassen wir uns das Frühstück schmecken und schlendern für wenige Stunden noch durch Portland. Es ist bitter kalt trotz Sonnenschein. Wir entscheiden uns Portland schon gegen 15 Uhr zu verlassen und den Heimweg anzutreten. Auf der Rückffahrt drehen wir zwischenzeitlich noch einmal richtig auf. Die Backstreet Boys und die Spice Girls schaffen es einfach immer wieder. Ich bleibe den ersten Teil der Fahrt tatsächlich komplett wach (!!) und verschlafe dann aber doch unsere Ankunft an der Saint Mary's. Nach 8 Stunden Fahrt tut uns alles weh. Gegen 2 Uhr nachts verabschieden wir uns in der Lobby und ich freue mich unendlich auf mein Bett. Bis ich in meinem Zimmer bemerke, dass ich nicht meinen Koffer, sondern Midschi's Koffer migenommen habe. Wir haben uns den selben Handgepäckskoffer gekauft und das rächt sich jetzt. Also darf ich gegen halb 3 nocheinmal durch die gesamte Residence laufen und Koffer tauschen. Dann geht es aber wirklich - mit dem richtigen Koffer - zurück zu meinem Zimmer, Zähne putzen und ab ins Bett. 
Es war ein genialer Kurztrip, eine super Reisegruppe und hat sich (trotz Rückenschmerzen von der Fahrt) mehr als gelohnt! Leider heißt es dann ab Montag wieder ... Unialltag.